Kernbotschaften für Langzeitpflegeeinrichtungen [Ärzte und Manager]

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Aufgaben

Die Kernaufgaben zur Verbesserung des Antibiotikaeinsatzes in Ihrer Einrichtung beinhalten: 
1.    Schulung von Ärzten und Krankenpflegepersonal im Hinblick auf Bereiche, in denen eine falsche Anwendung von Antibiotika häufig ist [109,110]:
•    Antibiotikaprophylaxe;
•    Anwendung von Antibiotika bei asymptomatischen Patienten mit positiven Kulturen (Kolonisation);
•    topische Antibiotika;
•    übermäßig lange Behandlungsdauer.

2.    Aufklärung von Patienten und ihren Familien im Hinblick auf die Risiken einer Selektion antibiotikaresistenter Bakterien bei unnötiger Anwendung von Antibiotika (z. B. asymptomatische Bakteriurie, Virusinfektionen der Atemwege) [109,110].

3.    Die Anwendung klinischer Behandlungspfade und evidenzbasierter Leitlinien für die Diagnose, die Behandlung und die Handhabung der häufigsten Infektionen (z. B. Pneumonie, Infektionen der oberen Atemwege, Infektionen der Haut- und Weichteilgewebe und Harnwegsinfektionen) und Berücksichtigung der lokalen Daten zur Antibiotikaempfindlichkeit [109].

4.    Neubeurteilung von Antibiotikabehandlungen angesichts der klinischen Bedingungen nach 48-72 Stunden, oder sobald mikrobiologische Ergebnisse verfügbar sind, um [31,42,70-72]
•    zu einem Schmalspektrum-Antibiotikum zu wechseln.
•    die Antibiotikabehandlung fortzusetzen oder zu beenden.
•    zu einer oralen Antibiotika-Einnnahme zu wechseln.

5.    Vermeiden diagnostischer Untersuchungen und Kulturen bei asymptomatischen Patienten [56,111].

Dinge, die Sie tun können

6.    Führen Sie zusammen mit Fachleuten aus dem Bereich der Prävention und Kontrolle von Infektionen Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle von Infektionen ein [Expertenkonsens]. 

7.    Erheben Sie eine umfassende Anamnese, wenn Sie ein Antibiotikum verschreiben, einschließlich kürzlich angewendeter Antibiotika, Arzneimittelallergien, Anwendung einer immunsuppressiven Behandlung und Risikofaktoren für eine Antibiotikaresistenz (zum Beispiel ein kürzlicher Krankenhausaufenthalt, ein kürzlicher Eingriff, eine kürzliche Reise außerhalb von Europa) [31].
 
8.    Untersuchen Sie Patienten immer erst ärztlich, bevor Sie ein Antibiotikum verschreiben [31].

9.    Wenn Sie sich nicht sicher sind, sollten Sie vor der Verschreibung eines Antibiotikums Folgendes tun [25,26,53,70] [Expertenkonsens]:
•    Prüfen Sie lokale, regionale und nationale epidemiologische Daten.
•    Bitten Sie einen erfahrenen Kollegen oder ein Mitglied des Antibiotic-Stewardship-Teams um Anleitung und Rat.

10.    Beginnen Sie eine Behandlung mit Antibiotika nur, wenn eine bakterielle Infektion nachgewiesen wurde, und behandeln Sie keine Kolonisationen [31]. 

11.    Vermeiden Sie eine unnötige Antibiotikaprophylaxe (z. B. zur Prophylaxe von Harnwegsinfektionen) [111].

12.    Stellen Sie sicher, dass vor Beginn der Antibiotikabehandlung Kulturen genommen werden [31,42,70,71].

13.    Dokumentieren Sie das Anwendungsgebiet der Antibiotikabehandlung, die Wirkstoffwahl, die Dosis, die Art der Verabreichung und die Behandlungsdauer in der Patientenakte [31,42,70,71].

14.    Beantworten Sie die folgenden Kernfragen, wenn Sie die Antibiotikabehandlung nach 48-72 Stunden (oder sobald die mikrobiologischen Ergebnisse verfügbar sind) erneut beurteilen [42,70]: 
Weist der Patient eine Infektion auf, die auf Antibiotika ansprechen wird?
Falls ja:
i.    Erhält der Patient derzeit das/die korrekte(n) Antibiotikum/Antibiotika, die korrekte Dosis und die korrekte Art der Verabreichung?
ii.    Könnte ein Antibiotikum mit einem engeren Spektrum zur Behandlung der Infektion angewendet werden?
iii.    Wie lange sollte der Patient das/die Antibiotikum/Antibiotika erhalten?

15.    Fördern Sie Impfprogramme für Bewohner und Personal [Expertenkonsens].

16.    Halten Sie die Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle von Infektionen, die in Ihrem Bereich bereits festgelegt sind, ein. Wenn Sie Mitarbeiter im Krankenhaus oder in der medizinischen Einrichtung sehen, die die Leitlinien oder Protokolle missachten, fragen Sie sie, warum sie dies tun, und stellen Sie Materialien bereit, um zu verstehen, was sie falsch machen [69] [Expertenkonsens].

17.    Nehmen Sie regelmäßig an Schulungen und an Konferenzen teil, die im Krankenhaus die Einführung von Folgendem unterstützen: a) einen verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz, b) evidenzbasierte, lokale Leitlinien für Antibiotika und c) Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle von Infektionen [52,53].

18.    Organisieren Sie Informationsveranstaltungen und Kampagnen, die die Bewohner über einen verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz aufklären.

19.    Stellen Sie sicher, dass die Bewohner (und ihre Familien) die Gründe für die Antibiotikatherapie sowie die Kernpunkte im Zusammenhang mit dem Antibiotikaeinsatz verstehen, einschließlich folgender Anweisungen [Expertenkonsens]:
a)    Antibiotika genau wie verschrieben einnehmen.
b)    Antibiotika niemals für eine spätere Verwendung aufbewahren.
c)    Niemals von einer früheren Behandlung übrig gebliebene Antibiotika verwenden.
d)    Niemals übrig gebliebene Antibiotika an andere Bewohner oder andere Personen weitergeben.

20.    Organisieren Sie regelmäßig Prüfungen/Umfragen zur Verschreibungspraxis bei Antibiotika und therapieassoziierten Infektionen [93].