Kernbotschaften für Intensivstationen [Ärzte und Manager]

Aufgaben

Die Kernaufgaben zur Verbesserung des Antibiotikaeinsatzes in Ihrer Abteilung beinhalten:

1.    Verschreibung von Antibiotika entsprechend den Protokollen für Antibiotikabehandlungen, die auf evidenzbasierten Leitlinien (z. B. für Sepsis) beruhen [90].

2.    Beachtung der lokalen Antibiotikaresistenzmuster in Ihrer Abteilung, Ihrem Krankenhaus und in der Umgebung [31,72]. 

3.    Organisation regelmäßiger interdisziplinärer Themenrunden mit den Mitarbeitern und Fallbesprechungen, um die Qualität der Antibiotikabehandlung zu verbessern [72].

4.    Neubeurteilung von Antibiotikabehandlungen angesichts der klinischen Bedingungen nach 48-72 Stunden, oder sobald mikrobiologische Ergebnisse verfügbar sind, um[31,42,70-72]
•    zu einem Schmalspektrum-Antibiotikum zu wechseln.
•    die Antibiotikabehandlung fortzusetzen oder zu beenden.
•    zu einer oralen Antibiotik-Einnahme zu wechseln.

5.    Umsetzung von Strategien zur Prävention und Kontrolle von Infektionen, einschließlich [86,87,105]:
•    Schulung der Mitarbeiter,
•    Handhygiene,
•    Reinigung des Pflegeumfelds,
•    aktives Screening,
•    Kontaktschutzmaßnahmen,
•    evidenzbasierte Praktiken,
•    Schaffung von Surveillance-Systemen für therapieassoziierte Infektionen.

6.    Regelmäßige Teilnahme an Bildungsaktivitäten sowie proaktive Prüfungen und Feedback zusammen mit dem Antibiotic-Stewardship-Team [54,56]. 

Dinge, die Sie wissen sollten

7.    Die Eingrenzung bzw. Optimierung von Antibiotikabehandlungen führt zu besseren Patientenergebnissen [106].

8.     Das Einhalten von Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle von Infektionen senkt die Inzidenz therapieassoziierter Infektionen. Zum Beispiel: 
a)    Das Einhalten eines Protokolls für Zentralvenenkatheter (in Bezug auf das Einsetzen und die Pflege) reduziert zentralvenenkatheterassoziierte Blutstrominfektionen auf Intensivstationen jeder Art (Erwachsene und Neugeborene) [107].
b)    Care Bundles können Beatmungspneumonien auf Intensivstationen für Erwachsene vorbeugen [108].

Dinge, die Sie tun können

9.    Führen Sie zusammen mit dem Team für die Prävention und Kontrolle von Infektionen Richtlinien (Leitlinien, Protokolle und Checklisten) für Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle von Infektionen ein [86,87] [Expertenkonsens].

10.    Halten Sie die Protokolle für Antibiotikabehandlungen, die auf evidenzbasierten Leitlinien beruhen und in Ihrem Umfeld festgelegt wurden, ein [31] [Expertenkonsens].

11.    Beginnen Sie eine Behandlung mit Antibiotika nur, wenn eine bakterielle Infektion nachgewiesen wurde, und behandeln Sie keine Kolonisationen [31].

12.    Vermeiden Sie eine unnötige Antibiotikaprophylaxe [31].

13.    Erheben Sie eine umfassende Anamnese, wenn Sie ein Antibiotikum verschreiben, einschließlich kürzlich angewendeter Antibiotika, Arzneimittelallergien, Anwendung einer immunsuppressiven Behandlung und Risikofaktoren für eine Antibiotikaresistenz (zum Beispiel ein kürzlicher Krankenhausaufenthalt, ein kürzlicher Eingriff, eine kürzliche Reise außerhalb von Europa) [31].

14.    Wenn Sie sich nicht sicher sind, sollten Sie vor der Verschreibung eines Antibiotikums Folgendes tun [25,26,53,70] [Expertenkonsens]:
•    Prüfen Sie lokale, regionale und nationale epidemiologische Daten.
•    Bitten Sie einen erfahrenen Kollegen oder ein Mitglied des Antibiotic-Stewardship-Teams um Anleitung und Rat.

15.    Dokumentieren Sie das Anwendungsgebiet der Antibiotikabehandlung, die Wirkstoffwahl, die Dosis, die Art der Verabreichung und die Behandlungsdauer in der Patientenakte [31,42,70,71]. 

16.    Beginnen Sie bei Patienten mit Sepsis die wirksame Antibiotikabehandlung so schnell wie möglich intravenös [90].

17.    Stellen Sie sicher, dass Kulturen angemessen genommen und an das mikrobiologische Labor verschickt werden, bevor Sie die Behandlung mit Antibiotika beginnen [31,42,70,71].

18.    Beantworten Sie die folgenden Kernfragen, wenn Sie die Antibiotikabehandlung nach 48-72 Stunden (oder sobald die mikrobiologischen Ergebnisse verfügbar sind) erneut beurteilen [42,70]: 
Weist der Patient eine Infektion auf, die auf Antibiotika ansprechen wird?
Falls ja:
i.    Erhält der Patient derzeit das/die korrekte(n) Antibiotikum/Antibiotika, die korrekte Dosis und die korrekte Art der Verabreichung?
ii.    Könnte ein Antibiotikum mit einem engeren Spektrum zur Behandlung der Infektion angewendet werden?
iii.    Wie lange sollte der Patient das/die Antibiotikum/Antibiotika erhalten?

19.    Wenn Sie Mitarbeiter im Krankenhaus oder in der medizinischen Einrichtung sehen, die die Leitlinien oder Protokolle missachten, fragen Sie sie, warum sie dies tun, und stellen Sie Materialien bereit, um zu verstehen, was sie falsch machen [69] [Expertenkonsens].

20.    Nehmen Sie regelmäßig an Schulungen und an Konferenzen teil, die im Krankenhaus die Einführung von Folgendem unterstützen: a) einen verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz, b) evidenzbasierte, lokale Leitlinien für Antibiotika und c) Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle von Infektionen [52,53].