Gesundheitsbelastung durch Antibiotikaresistenzen

Kernbotschaften
  1. Jedes Jahr sterben 33 000 Menschen infolge einer Infektion, die durch antibiotikaresistente Bakterien verursacht wird. Diese Zahl entspricht der gesamten Passagierkapazität von mehr als 100 mittelgroßen Flugzeugen.
  2. Die Belastung durch Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien bei der europäischen Bevölkerung ist vergleichbar mit der von Influenza, Tuberkulose und HIV/AIDS kombiniert.
  3. Zwischen 2007 und 2015 hat die Belastung durch jedes der 16 untersuchten antibiotikaresistenten Bakterien zugenommen:
  • Die Anzahl der Todesfälle, die auf Infektionen mit dem gegen Carbapenem (eine Gruppe von Reserveantibiotika) resistenten Bakterium Klebsiella pneumoniae zurückzuführen ist,
  • ist um das Sechsfache gestiegen. Diese Entwicklung ist insofern beunruhigend, als sich diese Bakterien leicht in Gesundheitseinrichtungen ausbreiten können, wenn keine angemessenen Infektionspräventions- und –kontrollmaßnahmen getroffen werden.
  • Die Anzahl der Todesfälle, die auf Infektionen mit dem gegen Cephalosporin (der dritten Generation) resistenten Bakterium Escherichia coli zurückzuführen ist, ist um das Vierfache gestiegen.
  1. 75 % der durch antibiotikaresistente Bakterien verursachten Gesundheitsbelastung entsteht in Europa durch therapieassoziierte Infektionen. Dieser Zustand könnte durch angemessene Infektionspräventions- und –kontrollmaßnahmen sowie einen umsichtigen Umgang mit Antibiotika in Gesundheitseinrichtungen minimisiert werden.
  2. Infektionen mit Cephalosporin- (der dritten Generation) resistenten E. coli, sind für die höchste Belastung verantwortlich, und mehr als die Hälfte dieser Infektionen treten innerhalb der Gemeinschaft auf. Um die Belastung durch diese Infektionen zu verringern, sind daher ein umsichtiger Umgang mit Antibiotika durch den verschreibenden Hausarzt, sowie Infektionspräventions- und –kontrollmaßnahmen in der Allgemeinmedizin erforderlich.
  3. 39 % der Belastung entsteht durch Infektionen mit Bakterien, die gegen Reserveantibiotika wie Carbapeneme und Colistin resistent sind.
  4. Dieser Anteil ist seit 2007 gestiegen und insofern beunruhigend, als diese Antibiotika die letzte verfügbare Behandlungsmöglichkeit darstellen. Wenn diese nicht mehr wirken, ist es äußerst schwierig und in vielen Fällen unmöglich, diese Infektionen zu behandeln.

Die Kernaussagen basieren auf dem Artikel „Attributable deaths and disability-adjusted life-years caused by infections with antibiotic-resistant bacteria in the EU and the European Economic Area in 2015: a population-level modelling analysis“, der am 5. November 2018 in der Zeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht wurde. Der Artikel schätzt die Belastung, die den Ländern der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EEA) im Jahr 2015 durch fünf für die öffentliche Gesundheit dieser Länder relevanten Infektionsarten entstanden ist. Diese Infektionen wurden von antibiotikaresistenten Bakterien (8 Bakterienarten, 16 Antibiotikaresistenz-Bakterium-Kombinationen) verursacht. . Die Belastung wurde anhand der Zahl der Infektionen, der damit verbundenen Todesfälle und der behinderungsbereinigten Lebensjahre (disability adjusted life years, DALYs) gemessen. Ein DALY kann als ein verlorenes „gesundes“ Lebensjahr betrachtet werden. Die Summe aller DALYs in der gesamten Bevölkerung oder die gesamte Krankheitsbelastung kann als Messung der Lücke zwischen dem derzeitigen Gesundheitszustand und einer idealen Gesundheitssituation, in der die gesamte Bevölkerung bis in ein fortgeschrittenes Alter und frei von Krankheiten und Behinderungen lebt, betrachtet werden.